Kirche Zettemin bei Malchin

 


Außenansicht
Turmbereich

Baubeginn für die Kirche Zettemin war Ende des 13.Jh. Zuerst wurde das Kirchenschiff gebaut. Es ist ein zweijochige Kreuzgratgewölbe. Danach erfolgte der Bau des Chores, das ebenfalls ein einfaches Kreuzrippengewölbe hat. Markant für das Chor ist die gotische Drei-Fenster-Gruppe. Außen wurden zur Sicherheit starke Strebpfeiler angebaut um die Last des Gewölbes zu tragen.

Der Turm ist Anfang des 14.Jh. errichtet.
Der obere Teil besitzt eine Blendenverzierung. Erinnert sei daran, das weiße Flächen am Kirchturm früherer den Weg zum Ort wiesen.
Der Turm ist schiefergedeckt. Es sind drei Glocken vorhanden. Die kleine Glocke ist älteren Datums. Zwei weitere Glocken fielen dem Zweiten Weltkrieg als Kanonenfutter zum Opfer. Durch Spenden konnten zwei neue Glocken angeschafft werden.


Nur noch zwei Portale sind offen. Die anderen Portale sind zugemauert worden. Geblieben sind Turm- und Südportal. Der Dreißigjährige Krieg zerstörte am 5.8.1638 Kirche, Pfarrhaus und den Ort. Die Kirche wurde ab 1691 wieder aufgebaut, Turm 1704, 1714 Turmuhr,
Sakristei auf der Nordseite diente als Aufbewahrungsort für liturgische Gewänder und Gegenstände (wahrscheinlich in katholischer Zeit vor 1549 eine Garwekammer). Später diente sie als Gruft. Die Gruft wurde zugemauert.
Interessant ist , das die Außenwand im zwanzigsten Jahrhundert zu einem Kriegerdenkmal umfunktioniert wurde.
Hier wird an die Opfer des Ersten Weltkrieges erinnert.

Betreten wir die Kirche über den Turmeingang
kommen wir zuerst in die Winterkirche: Dieser Teil wurde vom Langhaus abgetrennt um auch im Winter Gottesdienste in einen beheizten Raum führen zu können.

Treten wir in das Langhaus fällt gleich das Chor mit der dreigeteilten Fensterfront auf.

Die drei Fenster der Gruppe hinter dem Altar haben eine aus Ziegeln gemauerte Umrandung. Das Chor ist durch einen doppelten Spitzbogen vom Langhaus abgetrennt. Davor stehen Kanzel und Taufstein. Die Kanzel ist ohne Schalldeckel. Die Rippen aller Kreuzgratgewölbe sind durch einen Strich verstärkt worden. Das Chor wird geprägt durch die Drei-Fenster-Gruppe und den alten Altarblock. Der Chorbogen ist bemalt.
Leider sind keine Teile eines alten Altars außer
das Altarbild “Jesus segne die Kinder“ mehr vorhanden.
Die Altarumrandung hat links die Plakette mit dem Namen Maria,
rechts Joseph, der text nicht lesbar
.

Das Kreuz wurde 1971 vom Erfurter Künstler Helmut Griese geschaffen. Weitere Teile des Altares sind aus dem 19.Jh.


Im Eingangsbereich steht rechts eine Kanzel mit Fuß und ohne Schalldeckel. Die Kanzel ist durch Schnitzarbeiten verschönert.

Das älteste Stück der Kirche steht links am Eingang zum Chor. Es ist die frühmittelalterliche Tauffünte aus Granit. Die Tauffünte wurde nach 1980 durch den Warener Steinmetz Wolter restauriert und hat seinem Platz unter dem ehemaligen Altarbild „Jesus segne die Kinder“. Dies ist ein direkter Bezug zur Tauffünfte.

Neben der Kanzel hängt ein Epitaph. Der Epitaph zeigt den verstorbenen Sohn des Pastor Samuel Wilcken wie in einer biblischen Samuelsgeschichte. Der Epitaph stammt aus dem Jahre 1692.


Das wertvollste und schönste Stück ist die
Matthias-Friese Orgel aus dem Jahre 1780.
Die erste Reparatur der Orgel erfolgte zwischen 1792 und 1833 durch Sohn Friedrich (Friese I).
Der große Umbau erfolgte im Jahre 1869. Es erfolgte eine Veränderung des Klanges der Orgel. Die Orgel wurde durch Orgelbaumeister Gryszkiewitz aus Stettin (Posen) gründlich renoviert.
Da die Prospektpfeifen aus Zinn waren wurden sie im Ersten Weltkrieg beschlagnahmt. Die Orgel musste 1923 durch den Orgelbauer F. Bayer aus Zingst repariert werden.
Die Orgel wurde von 1996 bis 1998 durch die Orgelbaufirma Kristian Wegscheider aus Dresden 1998 restauriert. Grundlage sind die vorhandenen Abnahmeprotokolle aus dem Jahre 1780. Die Orgel wurde 1780 entsprechend dem vorliegenden Abnahmeprotokoll
durch Matthias Friese in den Jahren 1779 und 1780 erbaut.
Der Bau geht auf einen Wunsch des Pastors Köppen zurück, wurde
aber vom Kirchenpatron von Moltzahn mit 304 Taler befördert und vom Stettiner Regierung bestätigt.

Ev. - luth. Kirchgemeinde Rittermannshagen/Groß Gievitz
Pastor Thomas Robatzek
Dorfstr.27
17139 Rittermannshagen


Telefon: 039951-2268



Der vergessene Friese, so könnte heute der Text zu der Orgelbaudynastie Friese beginnen. Matthias Friese ist der Urvater der berühmten
Friedrich-Friese-Dynastie aus Parchim und Schwerin.
Matthias Friese war Autodidakt im Orgelbau,
aber er war auch ein guter Schulmeister, Küster und Organist. Die Verbindung Matthias Friese und
Pastor Daniel Joachim Köppen wurde
wahrscheinlich durch den Kirchenpatron von Maltzahn vermittelt. Köppen wurde ein guter Freund
von M. Friese, er war sogar Taufpate
von Sohn Johann Daniel Gustav.
Am 6.2.1779 wurde der Orgelbauvertrag abgeschlossen. Kosten 340 Taler.
Die Orgel mit barocken Klang wird am 13.4.1780 durch
Johann Friedrich Knöchel Domorganist zu Güstrow abgenommen.

Knöchel spendete im Abnahmeprotokoll viel Beifall für diese Orgel in Zettemin.
Möge Matthias Friese  als Orgelbauer
und die Zetteminer Orgel
einen würdigen Platz in Orgelbaugeschichte finden.
   


Chorseite
   


Chorfenster


Blenden am Chorgiebel



Sakristei mit Kriegerdenkmal


Außenansicht
Chor mit Eingang


Detail am Langhaus


Trogmühle am Eingang


Eingangspforte

Winterkirche

Innenansicht

Chor und Altar
und Fenstergruppe


Plakette in der Altarumrandung
Joseph Text auf Plakette nicht lesbar)


Plakette in der Altarumrandung
Maria (Text um Bild: Maria)

Tauffünfte


Altes Altarbild
"Jesus segne die Kinder"

Tauffünfte und Bild Jesus
 segnet die  Kinder

Links Epitaph Samuelgeschichte
Sohn Pastor Wilcken


Matthias Friese Orgel